Die fünf Klettersteige der Rofanrunde sind an einem Tag zu schaffen, wenn man mit der ersten Seilbahn um 8 Uhr hochfährt. Unser Plan war es, noch vor denjenigen zu starten, die die Seilbahn nutzen. Deshalb fuhren wir bereits am Samstag nach Maurach, nutzten die Seilbahn für die Auffahrt und übernachteten auf der Erfurter Hütte.
Für die sechs Mitglieder und Tourenleiter Martin Götz war es dann eine entspannte Anfahrt und eine kühle Übernachtung auf der auf 1.840 Metern gelegenen Erfurter Hütte.
Dass dieses Wochenende das heißeste seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen sein sollte, konnte nicht vorhergesehen werden. Aber mit dem Glück der Tüchtigen hatten wir eine Hüttenübernachtung und konnten somit so früh wie möglich starten. Wecken war um 3:45 Uhr. Der Schuhraum war bis zum Beginn des Frühstücks um 6:30 Uhr verschlossen. Deshalb deponierten wir unsere Ausrüstung im Keller und nahmen dort auch ein kleines Frühstück mit dem Essen, das wir selbst mitgenommen hatten, zu uns.
Um 4:30 Uhr marschierten wir im Schein der Stirnlampen in Richtung Haidachstellwand, dem ersten Gipfel, los. In der Zwischenzeit ging die Sonne auf und sowohl ein Auerhahn als auch eine Herde Gämsen begrüßten uns zu dieser ungewöhnlichen Morgenstunde. Wir hatten uns für die Runde der fünf Gipfel gegen den Uhrzeigersinn entschieden, also die übliche Variante. Dabei muss der nordseitige Klettersteig an der Haidachstellwand mit der Schwierigkeitsstufe B/C im Abstieg begangen werden.
Nach einer kurzen Pause zum Eincremen, noch im Schatten, ging es weiter hinüber zum Rosskopf, unserem zweiten Gipfel. Alfred kannte eine Aufstiegsvariante schräg an den Schroffen hoch, wodurch sich der Zustiegsweg deutlich verkürzte. Der Klettersteig mit Schwierigkeiten bis C/D ist aufgrund des oftmals senkrechten Verlaufs des Stahlseils ziemlich fordernd.
Wie schon bei den letzten Touren verlor Alfred auch bei dieser Tour seine Sonnenbrille im Steig. Zum Glück war Martin noch unterhalb unterwegs und konnte sie retten.
Zu dieser frühen Stunde war die Westseite des Rosskopfs noch im Schatten. Deshalb legten wir nach gut vier Stunden im Steig dort unsere erste Pause ein.
Vom Pausenplatz aus ist der dritte Gipfel, die Seekarlspitze, gut einsehbar.
Dort mühte sich eine Bergführerin mit einer Gruppe am Steilaufschwung des Klettersteigs, der Schwierigkeiten bis D aufweist. Sie musste alle Teilnehmer der Gruppe mit dem Seil hochsichern.
Als wir nach dem Quergang ebenfalls am Steilaufschwung ankamen, wartete eine Teilnehmerin noch darauf, in die Seilsicherung genommen zu werden. Das war die einzige Passage des ganzen Tages, in der wir auf vorausgehende Klettersteiggeher warten mussten.
Nach dem obligatorischen Gipfelfoto am prägnanten Steinkreuz auf der Seekarlspitze ging es hinüber zum vierten Gipfel, dem Spieljoch. Dort befindet sich der eigentliche Klettersteig mit der Schwierigkeitsstufe C auf der Westseite, der im Abstieg begangen wird.
Die Gehpassagen auf dem ausgesetzten Wiesengrat waren – wen wundert's – alle trocken und somit gut zu begehen. Bei Nässe sind diese lehmigen Pfade um einiges schwieriger.
Genau am Übergang von der Seekarlspitze zur Hochiss pausierte eine Herde Schafe. Diese hatten eine ungewöhnliche Methode der Abkühlung gewählt. Da es in der weiteren Umgebung keinen Schatten gab, hielten sie die Stirnplatte gegen die Kalkfelsen und verschafften sich so wenigstens ein bisschen Kühlung am Kopf.
Am Einstieg des fünften Klettersteigs mit der Schwierigkeitsstufe C/D legten wir eine weitere Pause ein, bevor wir uns an den Aufstieg machten. Der letzte Klettersteig schlauchte dann doch, obwohl er die schönsten natürlichen Griffe hatte.
Nach einer letzten Pause und einem Gipfelfoto auf der Hochiss ging es auf dem Normalweg hinab und auf dem Wanderweg zurück zur Erfurter Hütte.
In der Erfurter Hütten nahmen wir unsere eingelagerte Ausrüstung wieder auf.
Nach einer ausgiebigen Rast im nahen Almstüberl, die durch ein paar Regentropfen jäh beendet wurde, fuhren wir mit der Seilbahn hinab und standen anschließend im obligatorischen Stau am Grenzübergang.
Dank des frühen Starts um 4:30 Uhr waren wir bereits um 13:00 Uhr wieder auf der Hütte zurück. Da wir kaum Klettersteiggeher vor uns hatten, schafften wir alle fünf Gipfel bzw. Klettersteige in einer Gesamtzeit von 8,5 Stunden inklusive aller Pausen.
Wir hatten das Glück, dass wir aufgrund der Anreise am Vortag so früh starten konnten.
Also: Am heißesten Wochenende alles richtig gemacht!
Die Teilnehmer: Alfred G., Christina W., Martin S., Melanie L., Reinhard B. und Martin Götz (Tourenleiter)
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