© (DAV-Gangkofen) Aufsteig zum Piz Buin +ber den Ochsentalgletscher

Tourenbericht Spaltenbergungskurs auf der Wiesbadener Hütte

3. Bis 5. Juli 2026

14.07.2026

Früh am Freitagmorgen brach eine bunt gemischte, leicht übernächtige, aber dennoch gut gelaunte Truppe von Gangkofen gen Silvretta auf. Spaltenbergung und eine Hochtour auf dem Piz Buin standen auf dem Programm, verlockend genug, um 13 Menschlein von jung (geblieben) bis noch jünger aus dem Bett zu holen nach Vorarlberg zu chauffieren. Auf dem Weg wurden noch zwei Teilnehmerinnen in Kiefersfelden aufgesammelt, und schon konnte es losgehen in ein Wochenende voller neuer Lernerfahrungen, einer tollen Gruppendynamik, hochmotivierten Kursleitern und der wunderschönen Berglandschaft der Silvretta Gruppe.

Noch bei bedecktem Himmel kamen wir am Parkplatz an der Bielerhöhe an – in der Nacht vorher hatte es geregnet, doch besseres Wetter war für’s Wochenende angekündigt. Kursleiter Max, Martin und Michael gingen mit uns vor Abmarsch Richtung Wiesbadener Hütte, unserem Domizil fürs Wochenende, nochmal die benötigte Ausrüstung durch: Steigeisen, Pickel, Helm, ausreichend Expressschlingen, Micro-Traction, Bandschlingen, Prusiks in diversen Längen, ausreichend Notbiwaksäcke, Erste-Hilfe-Sets, Seile, steigeisenfeste Schuhe… Ja, man braucht schon allerhand, um so ein Hochtourenwochenende zu bestreiten! Zum Glück bestanden wir alle den Materialcheck und bekamen grünes Licht, um loszustapfen. Der Zustieg zur Wiesbadener Hütte war recht kurzweilig, bot sich ja doch ausreichend Gelegenheit, um ausgiebig zu ratschen und einige bisher unbekannte Gesichter kennenzulernen. Zudem war die Wanderung zur Hütte technisch einfach zu bewältigen, zach gnua würde es ja noch werden.

An der Hütte angekommen versorgten wir uns alle erstmal mit einem ordentlichen, leckeren Mittagessen aus der Hüttenküche – wobei manch einer direkt mal auf kulinarische Expedition in die Vorarlberger Küche ging, mit der Erkenntnis, dass Käsecremesuppe wohl doch nicht der Genussgipfel der Gefühle ist. Umso genießerischer ging es am Nachmittag dafür weiter: Unter der Anleitung von Max, Michael und Martin durften wir nicht nur diverse Seile, sondern auch unsere Hirnwindungen verknoten: Wir wurden in die hohe Kunst der Spaltenbergung in Form einer Trockenübung eingeführt! Und welcher Ort eignet sich dafür besser, als der kleine Spielplatz neben der Hütte… Der ein oder andere machte es sich zum Zugucken auf Schaukel und Klettergerüst bequem, um dem Mittagstief gerecht zu werden. Unser Kursleiterteam ließ uns aber nicht lange im mittäglichen Dämmerzustand verweilen, und so mussten wir bald selbst ran ans Werk und versuchen, mittels T-Anker, Lastenübertragung und Flaschenzugaufbau mit Prusik oder Micro-Traction uns gegenseitig aus hypothetischen Gletscherspalten rauszuziehen. Auf den ersten Blick ein undurchsichtiges Unterfangen, aber mit viel Übung, Wiederholung, der Geduld und den vielen Tipps der M&M&Ms ließen die ersten Bergungserfolge nicht lange auf sich warten.

Beschwingt und voller Vorfreude auf die am nächsten Tag anstehende Tour auf den Piz Buin, den höchsten Gipfel Vorarlbergs, ließen wir uns im Anschluss das Abendessen auf der Hütte schmecken, und machten uns bald schon auf Richtung Bett. Frühstück um 6 Uhr, Abmarsch spätestens halb 8! Das war der Fahrplan von Max, den wir auch ziemlich gut einhielten. Allerdings verfolgte am Samstagmorgen gefühlt die gesamte Wiesbadener Hütte Max‘ Plan, und so brachen wir mit einigen Seilschaften vor uns hinter uns Richtung Piz Buin auf. Am Anseilplatz kurz vor dem Gletscher beschlossen wir daher, die Gletscherspaltenbergung auf dem Ochsentalgletscher bereits schon vormittags vor der Gipfelbesteigung durchzuführen, statt wie ursprünglich geplant nachmittags auf dem Rückweg, um den Menschenmengen auf dem Gipfel zu entgehen.

Gesagt, getan – in insgesamt vier Seilschaften setzten wir uns in Bewegung und machten uns auf die Suche nach geeigneten Gletscherspalten. Da der Gletscher noch etwas Schneeauflage hatte, dauerte es auch etwas, bis sich Erfolge einstellten. Aber schlussendlich konnte sich jede und jeder einmal in die Gletscherspalten wagen, um vom Rest der Seilschaft daraus geborgen zu werden. Da ein kalter Wind wehte und die Sonne sich nicht immer blicken ließ, konnte man schon fast dankbar sein, wenn man sich in das Schneeloch zwängen durfte – immerhin war das windgeschützt… Nach gut zwei Stunden Spaltenbergungsübung ging unsere Tour weiter Richtung Gipfel des Piz Buin, und die Kälte auf dem Gletscher war nach kurzer Zeit wieder vergessen. Die letzten gut 300 Höhenmeter zum Gipfel waren eisfrei, Steigeisen und Pickel blieben also beim Materialdepot kurz vor dem Gipfelaufbau. Durch teils blockiges, teils schottriges Gelände ging es bis zur Schlüsselstelle, einem Kamin im II. UIAA, für den Max und Michael ein Fixseil anbrachten. So konnte auch diese Stelle von allen gut bewältigt werden. Zum Gipfel war es dann nicht mehr weit, oben angekommen genossen wir den beeindruckenden Weitblick über die Silvretta bis hin ins Engadin in der Schweiz, sowie die lang ersehnte Brotzeit. Unser Rückweg zur Wiesbadener Hütte verlief wie der Hinweg, nur ohne Spaltenbergung zwischendurch. Ein Teil der Gruppe belohnte sich kurz vor der Hütte noch mit einem kurzen Sprung in einen eiskalten Gletschersee, und pünktlich zum Abendessen saßen wir alle hungrig und müde, aber zufrieden in der Hütte am Tisch und stießen auf einen genialen Gipfeltag an. Bis auf eine Schafkopfrunde zog es die meisten auch wieder recht früh ins Bett.

Auch der dritte und letzte Tag des Hochtourenkurses startete wieder frühmorgens. Auf dem Programm standen nämlich nochmal einige wichtige Selbstrettungs- und Sicherungstechniken, und dafür musste erstmal ein geeignetes Schneefeld her. So wanderten wir also los, auf der Suche nach einem solchen. Wir wurden recht schnell fündig, und die drei M’s zeigten uns, wie man seinen Pickel richtig verbuddelt (Stichwort T-Anker), sich selbst mit Prusik und Microt-Taction am Seil sichert, und Techniken zum Umgang mit Stürzen. Besonders Letzteres war nochmal ein absolutes Highlight, denn wir durften uns alle das Schneefeld runterkugeln lassen, mit der Aufgabe, zu bremsen und zum Stehen zu kommen. Wenn der Pickel zur Hand ist, kommt dabei der Rettungsgriff zum Einsatz. Ohne Pickel der eigene Körper. Der Trick dabei ist, immer zu versuchen, mit den Füßen voraus in Bauchlage zu kommen und Ellbogen und Knie unter dem Oberkörper zusammenzuziehen. Gar nicht so leicht, wenn man beispielsweise Kopf voraus auf dem Rücken runterrutscht. Max machte es uns vor mit seinen 71 Jahren: Die Lösung dafür heißt Purzelbaum rückwärts den Hang runter – und zack, liegt man mit den Füßen voraus auf dem Bauch und kann ganz ohne Pickel bremsen! „Des mach i iatz aber wirklich as letzte Moi vor“ war Max‘ Kommentar dazu. Dieses athletische Meisterwerk zu vollbringen war nicht ganz einfach, aber mit genügend Versuchen stellten sich die Erfolge langsam ein. Außerdem: Ein Schneefeld ohne Ski, ohne Rodel oder sonst irgendeinem Hilfsmittel runterzurutschen macht einfach auch narrisch viel Spaß, solange es kein Ernstfall ist. Und sollte es doch mal soweit kommen, wissen wir jetzt, was zu tun ist. Gegen Mittag erklärte Max dann die Übung für beendet. Mit einem kurzen, letzten Zwischenstopp in der Wiesbadener Hütte machten wir uns nun auf dem Weg zurück zum Parkplatz, die lehrreichen und schönen Tage in der Silvretta neigten sich ihrem Ende zu. Noch einmal durch die beeindruckende Landschaft rund um Piz Buin und Silvrettahorn wandern, bis zum Parkplatz am Silvrettastausee… Und auch dort lockte das kühle Nass ein letztes Mal einige altbekannte Badenixen, bevor es nun wirklich zurück in die Zivilisation ging. Zum Ausklang kehrten wir nochmal ein und ließen das wunderbare Wochenende gemeinsam Revue passieren, bevor es wieder zurück nach Hause ging.

 

Bericht: Veronika G.