Noch bei bedecktem Himmel kamen wir am Parkplatz an der Bielerhöhe an – in der Nacht vorher hatte es geregnet, doch besseres Wetter war für’s Wochenende angekündigt. Kursleiter Max, Martin und Michael gingen mit uns vor Abmarsch Richtung Wiesbadener Hütte, unserem Domizil fürs Wochenende, nochmal die benötigte Ausrüstung durch: Steigeisen, Pickel, Helm, ausreichend Expressschlingen, Micro-Traction, Bandschlingen, Prusiks in diversen Längen, ausreichend Notbiwaksäcke, Erste-Hilfe-Sets, Seile, steigeisenfeste Schuhe… Ja, man braucht schon allerhand, um so ein Hochtourenwochenende zu bestreiten! Zum Glück bestanden wir alle den Materialcheck und bekamen grünes Licht, um loszustapfen. Der Zustieg zur Wiesbadener Hütte war recht kurzweilig, bot sich ja doch ausreichend Gelegenheit, um ausgiebig zu ratschen und einige bisher unbekannte Gesichter kennenzulernen. Zudem war die Wanderung zur Hütte technisch einfach zu bewältigen, zach gnua würde es ja noch werden.
An der Hütte angekommen versorgten wir uns alle erstmal mit einem ordentlichen, leckeren Mittagessen aus der Hüttenküche – wobei manch einer direkt mal auf kulinarische Expedition in die Vorarlberger Küche ging, mit der Erkenntnis, dass Käsecremesuppe wohl doch nicht der Genussgipfel der Gefühle ist. Umso genießerischer ging es am Nachmittag dafür weiter: Unter der Anleitung von Max, Michael und Martin durften wir nicht nur diverse Seile, sondern auch unsere Hirnwindungen verknoten: Wir wurden in die hohe Kunst der Spaltenbergung in Form einer Trockenübung eingeführt! Und welcher Ort eignet sich dafür besser, als der kleine Spielplatz neben der Hütte… Der ein oder andere machte es sich zum Zugucken auf Schaukel und Klettergerüst bequem, um dem Mittagstief gerecht zu werden. Unser Kursleiterteam ließ uns aber nicht lange im mittäglichen Dämmerzustand verweilen, und so mussten wir bald selbst ran ans Werk und versuchen, mittels T-Anker, Lastenübertragung und Flaschenzugaufbau mit Prusik oder Micro-Traction uns gegenseitig aus hypothetischen Gletscherspalten rauszuziehen. Auf den ersten Blick ein undurchsichtiges Unterfangen, aber mit viel Übung, Wiederholung, der Geduld und den vielen Tipps der M&M&Ms ließen die ersten Bergungserfolge nicht lange auf sich warten.