Am Anreisetag starteten wir früh, um das Appartement bereits zur Mittagszeit beziehen zu können. Leider zogen ausgerechnet dann Regenwolken auf, die es uns nicht erlaubten, am Nachmittag den Klettersteig „Signora delle Acque” in Ballino oberhalb des Tennosees zu begehen.
Die Zwangspause verbrachten wir in einem nahegelegenen Bistro. Glücklicherweise trocknete der Fels ab. So war es möglich, den relativ kurzen Klettersteig Rio Salagoni, der oberhalb von Dro und damit näher gelegen ist, noch zu begehen.
Zu so später Stunde waren außer uns keine anderen Personen mehr im Steig. So konnten wir uns einerseits aufs Klettersteiggehen einstimmen und andererseits die tolle Schlucht mit den vielen Farnen und den vom Wasser ausgewaschenen Felsformationen genießen.
In den letzten Jahren wurde der obere Teil, der früher ungesichert war und oftmals direkt durch den Bach führte, ausgebaut und durchgehend mit einem Seil gesichert.
Zurück ging es zuerst an der Burg vorbei und dann über einen ebenfalls neu angelegten, leider längeren Abstiegsweg zum Parkplatz.
Die Übernachtung im Appartement erfordert, dass das Frühstück selbst zubereitet wird. Das bot jedoch auch die Möglichkeit, sehr zeitig zu frühstücken. So konnten wir es an den Tagen 2 und 3 schaffen, jeweils als Erste am leeren Parkplatz einzutreffen und als erste Gruppe in den Klettersteig einzusteigen. So konnten wir den Steig im eigenen Tempo begehen und es war niemand über uns, der Steine hätte lostreten können.
Der Klettersteig Che Guevara wird laut Topo mit 7 ½ Stunden Gesamtzeit angegeben. Dies würde jedoch den schwierigen und bei Nässe gefährlichen Schnellabstieg über die „Ferrata del Rampin” beinhalten. Wir entschieden uns für den längeren, aber sicheren Abstieg über Sarche und von dort zurück nach Pietramurata. So wurde es eine ganztägige Unternehmung mit 9 Stunden Gesamtzeit, 1.450 Höhenmetern und gut 16 km Wegstrecke. Der Klettersteig befindet sich oberhalb eines Steinbruchs und wurde nach einem Felssturz im letzten Jahr saniert. Leider haben die Routenbauer es mit der Wegebauverordnung sehr genau genommen und die Stützen des Stahlseils in extrem kurzen Abständen gebohrt. So kam gleich Alpspitz-Ferrata-„Feeling” auf. Da wie dort muss ständig das Klettersteigset umgehängt werden. Vor gut neun Jahren war der Tourenleiter ebenfalls zeitig im Steig unterwegs. Doch damals wartete eine Gämse oberhalb des breiten Schuttkars auf ihn. Beim Verlassen des Kars warf die Gämse leider mit Steinen. Es gibt also nicht nur Menschen, sondern auch Tiere als Gefahrenquelle im Steig. Der Steig gliedert sich in mehrere versicherte Abschnitte, die sich mit unversicherten Wegstrecken abwechseln. Zum Glück war es am Tag der Begehung kühl und es wehte ein leichter Wind. Das hat es einfacher gemacht, die 1450 Höhenmeter zu absolvieren.
Vom Ausstieg aus hat man einen Blick auf das über der steilen Talseite stehende Gipfelkreuz. Der höchste Punkt des Monte Bondone liegt jedoch etwas weiter zurück. Dorthin steuerten wir und machten eine kurze „Gipfelrast“. Danach ging es in die nahe Hütte Don Zio Pisone, die von Anfang Mai bis Ende November geöffnet ist. Bei einem leckeren Mittagessen kamen alle wieder zu Kräften, um den langen Abstieg in Angriff zu nehmen.
Dieser lange Abstieg verläuft eigentlich angenehm im Schatten eines großen Waldes. Leider wurde ein Teil des Wanderwegs durch eine größere Baustelle unterbrochen. So blieb uns nichts anderes übrig. Wir mussten die Staatstraße für den Abstieg nehmen. Autofahrer nehmen schon wenig Rücksicht auf Radfahrer und noch weniger auf Fußgänger. Aber es ist gut ausgegangen.
Der Klettersteig Gerardo Sega stand schon lange auf der Wunschliste. Denn er wird mit Brenta-Feeling beschrieben. Und zwar wegen des gewaltigen Felsdoms und der beiden horizontalen Felsbänder, über die der Klettersteig führt.
Da wir wieder sehr zeitig aufbrachen, waren wir nach eineinviertel Stunden Fahrzeit die Ersten am Parkplatz vor der Kirche Madonna della Neve.
Ein alter, sehr gut ausgebauter Mulipfad führte entlang eines trockenen Flussbetts. Von dort zweigte der Weg zum nahen Wasserfall ab. Aufgrund des geringen Wasserstands war es ein Leichtes, den Bach zu durchqueren. Bei hohem Wasserstand erleichtert mittlerweile eine Zwei-Seil-Brücke das Queren des Baches.
Von dort aus ging es ein weiteres Stück den Berg hinauf zum Einstieg des Klettersteigs. Nach einem kurzen Leiternaufstieg gelangte man gleich aufs erste Felsband, das recht schmal war, aufgrund der Seilsicherung aber keine Probleme bereitete.
Nach einer kurzen, steileren Passage ging es zurück in den Felsdom, von dem aus das zweite Felsband gut einsehbar war. Wie im Topo beschrieben, gibt es dort keine Seilsicherung. Beim Näherkommen war jedoch erkennbar, dass der Weg sehr breit und somit gut zu begehen war. Am Ende des Felsbands ging es noch einmal über eine Steilpassage und eine Gehstrecke zum Ausstieg.
Von dort aus führte der Weg landschaftlich sehr reizvoll zurück zum Kirchlein.
4. Tag Rückfahrt und Klettersteig Kaiser Max - Erster Teil
Für den vierten Tag war am Gardasee schlechtes Wetter mit Regen bereits am Vormittag prognostiziert worden. Deshalb entschieden wir uns, frühzeitig zurückzufahren und einen Stopp in der Nähe von Innsbruck einzulegen.
Oberhalb von Zirl liegt die Martinswand, in der der Klettersteig „Kaiser Max” in zwei Etappen hochführt. Die beiden Etappen unterscheiden sich in der Schwierigkeit deutlich: Etappe 1 ist bis D und Etappe 2 ist über lange Wegstrecken E.
Unser Ziel war von Anfang an, nur den ersten Abschnitt zu begehen. Mittlerweile ist der Fels im ersten Abschnitt durch die vielen Begehungen jedoch blank poliert. Es war tatsächlich schwierig, auf den marmorartigen Blankstellen einen guten Tritt für die Füße zu finden.
Das waren wir von den Klettersteigen rund um Arco nicht gewohnt. Trotzdem meisterten wir auch diese neue Schwierigkeit. Nach einer Pause in der Grotte ging es auf einem neu angelegten Weg oberhalb des Steinbruchs zurück nach Zirl.
Von dort aus fuhren wir mit einer kurzen Tankpause in Kufstein zurück.
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